Herr Meier und Herr Müller

Im LKA Thüringen ist gerade dicke Luft. Beamte haben sich seit vielen Jahren ein kleines Zubrot ergaunert. Der Sumpf ist tief. So tief, dass eine Kontrollgruppe, eine Untersuchungsgruppe, eine Inspektionsgruppe und zwei Arbeitsgruppen bisher keinen einzigen Fall aufarbeiten konnten.

Nachweise verschwanden, die Büroräume der Prüfer mit den Akten waren öfters „aus Versehen“ nicht abgeschlossen, wichtige Unterlagen wurden abgeschickt, kamen aber nie an, die Datei mit dem Abschlussbericht wurde gelöscht und alle Ausdrucke waren auch zufällig weg.

Jetzt stellen wir uns mal folgendes vor: Herr Meier aus dem LKA, Abteilung Computerkriminalität, hat auch ein bisschen geschummelt mit seinen Überstunden. Zu den Aufgaben von Herrn Meier gehört die Ermittlung mittels des neuen Werkzeugs „Online-Durchsuchung“. Außerdem hat Herr Meier Zugriff auf die 6 Monate lang gespeicherten Verbindungsdaten der gesamten Bevölkerung. Für rein dienstliche Zwecke, versteht sich.

Jetzt weiß Herr Meier auch noch, dass einer der Prüfer die belastenden Unterlagen auf seinem Computer zu Hause gespeichert hat (wohl aus gutem Grund, siehe oben). Mit den Verbindungsdaten und seiner Online-Durchsuchungs-Software könnte sich Herr Meier Zugriff auf den Privatrechner des Prüfers verschaffen und alle Daten auf dessen Festplatte unwiederbringlich löschen. Das würde ihn nur einige Mausklicks und 5 Minuten seiner Mittagspause kosten. Wie wird sich Herr Meier entscheiden?

Der Schwager von Herrn Meier, Herr Müller, ist auch bei der Polizei. Er stellt Verkehrssündern Bußgeldbescheide aus, welche die Behörde den Betroffenen neuerdings elektronisch zustellt. Mittels der auf den Bescheiden verzeichneten Ausstellungszeitpunkte lassen sich die Überstunden von Herrn Müller nachvollziehen. Das wäre Herrn Müller gar nicht so recht, auch er hat da wohl etwas geschummelt.

Aufgrund einer „Panne“ sind die 1432 fraglichen Bescheide leider von allen Behördenrechnern gelöscht wurden. Nur die Empfänger haben sie möglicherweise noch auf ihren Rechnern in ihren Wohnzimmern, Arbeitszimmern oder wo auch immer gespeichert. Da sich Herr Müller sehr gut mit seinem Schwager, Herrn Meier, versteht, fragt er ihn bei einem Bier, ob er da nicht was für ihn tun kann. Wie wird sich Herr Meier entscheiden?

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