Hotel der tausend Hügel
Paul, von den Nachbarn respektvoll Mr. Paul genannt, hat es geschafft im Leben: Er ist stellvertretender Manager eines Vier-Sterne-Hotels, hat eine wundervolle Frau, drei süße Kinder und ein nettes Eigenheim. Natürlich ist sein Leben nicht ganz ohne Stress: er muss seinen Angestellten beibringen, was Stil ist (kubanische Zigarren) und dass Arbeit mehr ist als mit der Empfangsdame zu schäkern. Außerdem sind da noch jede Menge Generäle und Geschäftsleute, deren Gefälligkeit es sich mit kleinen Aufmerksamkeiten (daher die Zigarren, nebst schottischem Whisky) zu sichern gilt.
Aus diesem Stoff hätte Regisseur Terry George sicher eine schöne Komödie machen können, wäre da nicht ein kleines, aber bedeutendes Detail: Pauls Hôtel des Mille Collines steht nicht irgendwo, sondern in Kigali, Ruanda. Und die Geschichte spielt nicht irgendwann, sondern im Jahre 1994, in dem Hunderttausende Tutsi von Hutu-Extremisten ermordet wurden und Millionen Flüchtlinge das Weite bzw. eine sichere Zuflucht suchten.
Und so muss sich auch bald Paul, der selbst Hutu ist und mit einer Tutsi verheiratet, entscheiden: zwischen der Gefahr, als Verräter ebenfalls getötet zu werden, und dem sicheren Tod für die über 1000 Tutsi, die er im nach der Flucht des Managements jetzt von ihm geleiteten Hotel Ruanda versteckt hält, wählt er das kleinere Übel und lässt (unter Einsatz der letzten Whisky-Reserven) noch einmal seine Kontakte spielen.
Neben dem großartigen Don Cheadle spielen in kleineren Rollen Nick Nolte als ein vom Stillschweigen der Weltöffentlichkeit desillusionierter UN-Offizier („Gratulieren? Sie sollten mir ins Gesicht spucken!“) und Jean Reno als belgischer Besitzer der Hotelkette.
Der Film kommt ohne direkte Grausamkeiten des Völkermords zu zeigen aus und ist deshalb erträglich. Neben einiger humorvoller Stellen („Ein Volkswagen!?“) gibt es natürlich auch was fürs Herz. Auf jeden Fall sind Taschentücher mitzuführen.